Webdesign im Jahr 2012

Eine Prognose ist notwendig mehr oder weniger die Extrapolation des Vergangenen. Welche Entwicklungen im Web(-design) sind also in 2011 zu registrieren? Der Hype um Tablett-PCs gleicht sicher am ehesten einer Revolution und hat direkten und spezifischen Einfluss aufs Web. Andererseits sind Tabletts Teil der Jahrzehnte alten Entwicklung des Internets zum Konsumermedium mit der konsequenten Suche nach Möglichkeiten der Monetarisierung von Inhalten. Auf die Implikationen der Einschränkungen (und geweckten Erwartungen) der Tabletts soll hier nicht weiter eingegangen werden.

Soziale Medien – wenn man den Begriff denn benutzen will – sind sicher verstärkt ins Bewustsein gerufen worden. Eine Funktion, Politiker per Mausklick – oder besser noch per »touch« – quasi berührungslos in die Wüste zu schicken, ist jedoch noch immer nicht integriert.

Am Ende bleibt es, längerfristige Entwicklungen auf ihren Stand zu überprüfen. (Schließlich sind Interpolationen in der Nähe von Singularitäten auch der Kristallkugel vorbehalten.)

Der Niedergang des Internetexplorers setzt sich fort und der größte gemeinsame Teiler der großen Browser wächst weiter. Inzwischen sind die Schrecken (sprich IE 6) der Monopolisierung des Internets durch Microsoft fast vergessen. (IE 6 < 2%. IE 9 fast konkurrenzfähig mit modernen Browsern.) Mit der Ablösung des IEs durch Chrome als dominantem Browser könnte aber auch der Teufel durch Beelzebub ersetzt werden. (Editorial c't 1/12) Den IE hat nicht König Kunde abgewählt. Er hat schlussendlich nur den von Microsoft verursachten Niedergang exekutiert. So ungeschickt wie Microsoft wird Google kaum operieren.

Europa als FontDas schon mehrfach behandelte Thema der Schrifteneinbettung im Web kann als Exempel dienen.  Es zeigt sowohl die Kompatibilität moderner Browser (inkl. IE 9) untereinander als auch die Unterschiede zwischen ihnen, die es noch immer gibt.

Das links stehende Bild lässt sich unter Firefox und Opera auch als HTML-Seite betrachten. Zumindest unter Windows 7 macht die fehlerhafte Darstellung unter Safari, Chrome und IE9 hingegen deutlich, was an der Europa-Karte bemerkenswert ist. Abgesehen vom Hintergrund handelt es sich um Text. Genauer gesagt, sind die Länder Ligaturen des eingebetteten Fonts Countries of Europe. Für alle fünf Browser funktioniert die Einbettung eines WOFF-Fonts (Kein EOT-, TTF- oder OTF-Fallback). Ligaturen beherrschen aber nur Opera und Firefox. (Unter diesen Browsern kann die Text-Natur der Karte, durch Ausschalten von CSS, dramatisch demonstriert werden.) Dem Einsatz eines Fonts der Google-Sammlung, die auf fast 400 Schriftschnitte (»Familien« stellt http://somadesign.ca/demos/better-google-fonts/ vor.) angewachsen ist, steht also nichts entgegen – zumindest im Sinne von Progressive Enhancement. Mit der Browser-Extension »Font Finder«, die es für FirefoxSafari und Chrome gibt, lässt sich beim Surfen schnell einmal erkunden, welche Schrift eine Web-Page an bestimmter Stelle nutzt.

CSS3 at its best

Falsche TrennungTrennungen im Web sind ein ebenso (von Designern) heiß ersehntes Feature, das eigentlich überfällig ist und in Firefox und Safari folgerichtig bereits heute existiert.

Nahezu unvermeidliche sporadische Fehler der automatischen Trennung haben selbst angesehene Tageszeitungen nicht gehindert sie einzuführen. Der Einwand, dass sich Trennungen nicht wirklich maschinell ausführen lassen, zählt also nicht mehr.

Bereits vor der Unterstützung der Eigenschaft »hyphens« aus CSS3 durch Firefox und Safari gab es Mittel und Wege die schlimmsten Trennkatastrophen (mit entsprechendem Aufwand) zu behandeln. Neben einer JavaScript-Lösung, die die »hyphens«-Lösung nachbildet und damit als fallback für andere Browser dienen kann, bietet &shy; als bedingtes Trennzeichen ein Mittel, Browsern eine Trennung zu ermöglichen.

Berichtigte TrennungDiese Funktion, den Browsern unter die Arme zu greifen, behält &shy; auch mit »hyphens«. Allerdings mit erheblich geringerem Aufwand, da eine solche Intervention von der Regel zur Ausnahme wird.

Damit wächst offensichtlich die Bedeutung einer festen Laufweite der Schrift, denn sonst müsste die manuelle Nachkorrektur für jeden Browser ausgeführt werden. Das ist offenbar ein zusätzliches Argument für Schrifteinbettung.

Die fehlerhafte Trennung von Backend hätte sich übrigens auch mit einer Auszeichnung der Sprache behandeln lassen. Das ist aber offenbar eher eine Option für ganze Absätze in einer anderen Sprache und nicht für einen einzelnen eingedeutschten Begiff.

Ist es eigentlich Zufall, dass die Browser, die sich ihrer Geschwindigkeit rühmen –berechtigt oder auch nicht–, »hyphens« noch nicht unterstützen?

Wir haben jedenfalls für unsere site automatische Silbentrennung aktiviert.

Fazit

CSS (3), semantisches HTML (5) und natürlich Videos sind also weiter im Vormarsch. Die Behauptung, dass sich die bessere physikalische Theorie nicht durch Überzeugung ihrer Gegner, sondern durch deren Aussterben durchsetzt, gilt analog auch für Webtechniken.


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